Schreiben, ja – aber was?! So sitze ich oft da und hadere und überlege und wiege ab, worauf ich Lust habe und was ich gerne als Ergebnis vom Schreiben hätte. Bis der Moment der Kreativlust eigentlich schon verstrichen ist und ich morgens zu arbeiten anfange. Beziehungsweise abends schlafen gehe.
Oder ich schreibe dann doch wieder „nur“ Morgenseiten/Abendseiten und bin aber danach unbefriedigt, weil ich Lust auf etwas mehr Futter und Überraschung und Inhalt hatte.
Was mir zuverlässig dabei hilft, hier weiterzukommen und zu schreiben und dann überrascht oder zufrieden zu sein, sind Bücher mit Schreibimpulsen. Die ich einfach aufschlagen kann, entweder an einem bestimmten Datum oder einer beliebigen Seite, um loszuschreiben zu welchem Thema auch immer daherkommt.
Hier sind ein paar meiner liebsten Bücher zu diesem Zweck.
#1 – List Yourself – Listmaking as the way to self-discovery
Irene Segalove und Paul Bob Velick
Das war das erste Losschreibe-Buch, in das ich mich vor ein paar Jahr verliebt habe. Listen sind zugänglich und man hat schnell das Gefühl, einiges geschafft zu haben. Außerdem sind sie immer überraschend, vor allem, wenn man noch ein wenig weiterschreibt, wenn einem eigentlich nichts mehr einfällt. Nicht umsons gibt es die Schreibübung der 100-er Liste. Bei dir man zuerst die Zahlen von 1-100 untereinander notiert und dann dranbleibt, bis man sie gefüllt hat.
Die Listen im Buch von Segalove und Velick drehen sich alle um das Selbst und die eigene Geschichte und sind in Abschnitte unterteilt wie „Your Self“, „Culture“, „Possible Truths“ oder auch „Health“ und „Growing Up“. 275 verschiedene Listen-Ideen sind in Summe im Buch drinnen und am besten funktioniert für mich, irgendwo aufzuklappen und zu der Liste zu schreiben, die ich sehe. Ohne Ausrede. Sonst überlege ich mir wieder: Mag ich diese Liste? Passt die gerade zu mir? Zu meinen Themen? Im Zweifelsfall kann man immer schreiben, warum man eine Liste richtig blöd findet.
Besonderheit dieses Buches: Teilweise ulkige Fragen und Themen, die man sich höchstwahrscheinlich noch nie über sich selbst überlegt hat
#2 – The Daily Stoic Journal
Ryan Holiday
Ich habe Ryan Holiday vor Jahren auf Youtube entdeckt, als ich zum Zettelkastenprinzip von Niklas Luhman recherchiert habe. Und ich habe schnell gemerkt: Sein Steckenpferd sind die Stoiker:innen. Diese Stoikerinnen beziehungsweise die philosophische Richtung des Stoizismus waren mir bis dahin gar kein Begriff. Seitdem ich sie nun entdeckt habe, recherchie ich immer wieder mit skeptischer Neugierde. Ein Teil gefällt mir, andere Elemente wiederum gar nicht. Aber: Das Journal von Holiday begeistert mich restlos. Denn für jeden Tag des Jahres gibt es eine Reflexionsfrage. Viele davon habe ich mir noch nie vorher gestellt. Für den 24. Februar zum Beispiel „Why am I telling myself that I’ve been harmed.“ (auf Deutsch etwa Warum rede ich mir ein, dass mir Unrecht getan wurde?) oder für den 26. September „What idle leisure can I replace with something more fulfilling? “ (auf Deutsch etwa Welche sinnlose Freizeitbeschäftigung kann ich durch was Besseres ersetzen?). Ihr bekommt anhand der Fragen vielleicht schon ein Gefühl für den Stoizismus, falls ihr ihn noch nicht kennt und immer wieder starte ich die Einträge mit „Die Frage mag ich gar nicht, weil….“. Und komme aber dann doch jedes Mal auf interessante Erkenntnisse über mich und das Leben.
Besonderheit vom Buch für mich: Datiert und damit der kleinstmögliche Entscheidungsaufwand zum Losschreiben: Welche Frage steht beim heutigen Datum? Ah, los gehts! Außerdem Themen, die teilweise tief gehen und für die ich gar nicht die Worte hätte, um sie spontan anzugehen.
#3 The Sound of Paper
Julia Cameron
Julia Cameron, wer kennt sie nicht?! Sie ist eine Königin der Kreativität und des Schreibens und auch eine Pionierin. Außerdem eine der produktivsten Kreativ-Autorinnen, die mir einfallen. Gib gerne mal auf Medimops ihren Namen ein, die Bücherliste, die kommt, ist endlos.
Im Gegensatz zum „Artist’s Way“ hab ich dieses Buch von ihr, „The Sound of Paper“, von vorne bis hinten durchgelesen und teilweise auch durchgeschrieben. Auf jedes sehr kurze Kapitel, das nicht mehr als 2-5 Seiten fasst, folgt nämlich eine ganz konkrete Schreibeinladung. Geschrieben habe ich aber vor allem auch am Rand und auf den Leerstellen zwischen den Absätzen: Herzchen, Fragezeichen, Ergänzungen, Verweise auf andere Texte und Autorinnen, Widersprüche und modernere Varianten der manchmal doch leicht angestaubten Ansichten. Das Buch ist immerhin aus 2004 und somit 22 Jahre alt.
Ich habe es immer dann, wenn ich nicht wusste, was ich schreiben will, herausgenommen, den nächsten kurzen Text gelesen und dann geschrieben.
Das Besondere an dem Buch für mich: Lädt ein, sich mit der eigenen Kreativität und den eigenen Ansichten über kreatives Arbeiten und Leben intensiv auseinander zu setzen. Das macht Spaß und ist oft sehr erhellend.
#4 The Book of Alchemy
Suleika Jaouad
Im Gegensatz zur leichten Angestaubtheit hier und da in „The Sound of Paper“ ist Suleika Jaouads Buch modern und aktuell – in den Gedanken und Bezügen, in den Themen und in der Herangehensweise an das Buch: Sie hat nämlich 100 Menschen getroffen und zu ihrem Schreiben und Leben befragt und anschließend um einen Schreibimpuls gebeten. Es ist also eine Art Gemeinschaftswerk und so abwechslungsreich liest es sich auch. Jede Übung, die ich bisher aufgeschlagen habe, hat mich berührt und inspiriert. Genau wie die Geschichten der Personen dahinter. Diese Personen, sind übrigens nicht nur professionelle Autorinnen oder Schreiberinnen. Sondern oft ganz normale Leute mit normalen Jobs, die zufällig auch gerne schreiben.
Hier gehe ich so vor, dass ich, wenn ich Zeit und Lust drauf habe, weiterschreibe, wo ich beim letzten Mal aufgehört habe.
Suleika Jaouad hat auch einen tollen Substack Kanal, den ich auch gern empfehle.
Das Besondere am Buch für mich: Die berührenden Geschichten der Schreibimpulsgebenden und der Variantenreichtum der Übungen. Nach jedem Mal schreiben fühle ich mich hier beschenkt.
#5 The Writer’s Block – 768 Ideas To Jump-Start Your Impagination
Jason Rekulak
Diesen gedruckten Würfel habe ich im writer’s studio im Regal entdeckt und konnte einfach nicht widerstehen, ihn mir auch zu bestellen. Seitdem wohnt er auf meinem Schreibtisch. Und auch wenn ich ihn recht selten verwende, erinnert er mich doch zuverlässig ans Schreiben. Einfach dadurch, dass er da ist und so besonders und einladend aussieht.
Drinnen sind wie der Titel schon sagt ganze 768 verschiedene Ideen für kurze Texte. In Form von Anekdoten von Schreibpersönlichkeiten und Empfehlung zur Nachahmung ihrer Schreibtechniken über Fotos, „spark words“ wie zum Beispiel „Deadline“ oder „Casualty“ oder klassischer Schreibimpulse wie „Describe the secrete life of a school bus driver“ oder „Describe the most boring job you’ve ever suffered through“.
Die Besonderheit an diesem Buch für mich: Die Würfelform! Als Merchandise- und Printprodukte-Fan ist das ein visueller und haptischer Traum. Außerdem auch hier: Ulkige Impulse, auf die man selber vielleicht nicht so schnell kommt.
Hast du auch Lieblingsbücher, mit denen du zuverlässig ins Schreiben kommst? Oder einen anderen Trick, der dich von „Ich weiß nicht was?“ mitten in den ersten Satz hüpfen lässt? Schreib gerne einen Kommentar!
Und wenn du gerne gemeinsam zu vorbereiteten Impulsen schreiben magst, dann schau bei den kommenden Schreibtreffen vorbei!