Ich will unbedingt dranbleiben und das Dranbleiben geht mir auf die Nerven. So oder so ähnlich denke ich immer wieder zum Thema und wenn du gern schreibst oder schreiben möchtest, hast du dich sicher auch schon mal gefragt: Wie kann ich dranbleiben? Am persönlichen Schreiben, an Textprojekten, an Geschichten.  

Ich jedenfalls frage mich das seit einem Moment vor gut 7 Jahren, in dem ich spontan Lust hatte, ein tagebuchartiges Gedicht zu schreiben, mich unglaublich gut danach gefühlt habe und mehr davon wollte. Viele, viele gefüllte Notizbücher, lange Wochen ohne Schreiben, zig Workshops die ich besucht und gehalten habe später, frage ich mich das noch immer.  

Und im Moment wieder intensiver, weil die Tage voll und das Zeitfinden für Gedanken und Notizen schwieriger sind. Dabei bin ich auf drei Mythen gestoßen, die immer wieder durch meinen Kopf geistern. Und habe versucht, etwas zu finden, das ich erwidern kann.  

Mythos #1: Dranbleiben heißt, ganz viel zu machen.

Hier noch ein Projekt, da noch eine Challenge, vielleicht noch ein Side-Business gründen oder zumindest noch ein paar Hobbies anfangen. Wir leben in einer Hustle Culture. In Kombination mit dem Wunsch, dranzubleiben, wird das schnell eine monumentale To-Do Liste und das Gefühl: Ich muss jeden Tag richtig viel unterbringen und reinorganisieren. Aber ich glaube, da steckt auch ein Trugschluss drin. Denn viel macht nicht notwendigerweise zufrieden. Und sich zu ermöglichen, an etwas dranzubleiben, heißt vielleicht auch, insgesamt weniger zu machen. Auch weniger Verschiedenes, damit es uns nicht von dem ablenkt, was wir eigentlich wollen.  

Mythos #2: Dranbleiben heißt, etwas jeden Tag zu tun.

Darüber unterhalten wir uns in den Schreibworkshops oft und die Teilnehmerinnen sagen Sätze wie „Ich kann einfach nicht dranbleiben, ich schaffe es nicht jeden Tag zu schreiben.“ Das kann ich richtig gut nachvollziehen. Was vielleicht hilft, ist die Definition von Dranbleiben ein wenig zu erweitern. Ich denke mir: Wenn ich etwas immer wieder beginne – Morgenseiten, kurz mal hier schreiben vor der Schule und da vor dem Schlafengehen und eine längere Bestandsaufnahme nach einer heftigen Phase ganz ohne Schreiben – dann bin ich drangeblieben. Egal wie viel Pause zwischen den einzelnen Schreibsessions war. Ich bin drangeblieben am großen Thema Schreiben, weil es mir wichtig ist.

Mythos #3: Dranbleiben braucht eisernen Willen und Disziplin

Beides kann hilfreich sein, keine Frage. Aber ich glaube, Dranbleiben hat vor allem auch etwas mit Lust zu tun. Im Sinne von sich selber Lust darauf zu machen, etwas zu tun, statt es sich zu verleiden durch überzogene Erwartungen. Disziplin ist ein großes Wort und klingt für mich immer nach Anstrengung und mühsamer Arbeit gegen mich selbst. Ich bin nicht gegen Anstrengung, keinesfalls, aber ich glaube, dass es mindestens genauso wichtig ist, sich selber Lust und es sich leicht zu machen. Im Falle vom Schreiben kann das ein schöner extra Schreib-Tisch oder -Platz in der Wohnung sein. Ein Schreibprojekt mit Freundinnen. Oder ein besonderes Notizbuch. Ich persönlich bin auch Fan davon, das Cover vom Notizbuch mit allem, was mir gerade wichtig ist, zu bekleben; dann bin ich schon im Gespräch und in der Schreiblust, wenn ich nur draufschaue.  

Mein aktuelles Notizbuch (Juni 2026).

Wie ist das bei dir? Welchen Mythen geistern dir durch den Kopf und woran würdest du gern dranbleiben? Schreib mir gern. Die Frage ist übrigens auch ein wichtiger Punkt in der Journaling Werkstatt. Vielleicht sehen wir uns da!